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Mit dem Bushcamper durch das Rote Zentrum Australiens

Ein Reisebericht von Hans Walter Emmert

Im Herbst 2004 fuhren wir mit einem Bushcamper durch Australiens Rote Zentrum. Wir wählten den gegenüber einem Wohnmobil weniger komfortablen Bushcamper, weil wir auch Routen befahren wollten, die nicht geteert und damit für normale Wohnmobile verboten sind.

Der Bushcamper war ein Toyota-Landcruiser-Jeep mit pfiffigem Aufbau sowie mit 2 x 75-Liter-Tank und zuschaltbarem Allradantrieb.

Er enthielt eine 12-Volt-Kühlbox, die außerordentlich gut kühlte (bei über 30 Grad im Schatten). Das Spülbecken hatte eine manuelle Wasserpumpe. Zum Kochen holte man den verstauten Gaskocher hervor, stellte ihn auf einen ausklappbaren Tisch an der rechten Hintertür und schloss die Gasflasche an. Die Sitzbank im hinteren Teil verbreiterte man abends zu einem Bett und oben im Aufbau machte man mit drei großen Brettern ein zweites Bett.

West MacDonnell-Ranges (Simpsons Gap, Standley Chasm, Ochre Pits, Glen Helen) (170 km)

Unsere Rundfahrt durch das rote Herz Australiens begannen wir in Alice Springs. Das Städtchen wird von den Touristen hauptsächlich als Ausgangspunkt für Touren in das Rote Zentrum genutzt. Auf unserem Weg durch die West MacDonnell-Ranges (teilweise Nationalpark) besichtigten wir spektakuläre Schluchten wie Simpsons Gap.

Endpunkt der ersten Tagesetappe war Glen Helen [Bild 07-08]. Bis hierher war die Straße gut und geteert und man kann sie mit normalen Fahrzeugen befahren.  

Bei dem Campingplatz handelt es sich um einen sehr einfachen Platz. Strom und Wasser war verfügbar. Weiterhin ein (gutes) Restaurant, einfache Zimmer und – sehr wichtig – eine Tankstelle.

Einen kleinen Eindruck von der Station kann man sich auf deren Internetseite machen: http://www.glenhelen.com.au.

Die Stelle an der Strecke, die sich Ochre Pits nennt, ist eine heilige Stätte der Ureinwohner. Von den rotgelben Ockers (ochre) gewannen die Aborigines Material für zeremonielle und medizinische Zwecke.

Glen Helen – Kings Canyon (230 km)

Ab Glen Helen war die Straße nicht mehr geteert, sondern es ging über unbefestigte Pisten. Deshalb war auch der Bushcamper notwendig, da man mit normalen Mietwohnmobilen nicht auf unbefestigten Straßen fahren darf. Der größte Teil der Strecke ging durch Aborigenes-Land. Für die Durchfahrt benötigt man eine kostenpflichtige Genehmigung.

Etwas abseits der Piste liegt Gosse Bluff, ein riesiger Krater, der vor rund 130 Millionen Jahren durch den Einschlag eines Kometen entstanden ist. Der Umfang des Kraters beträgt 5 km.

Das ganze rote Zentrum ist heiß und wüstenartig. Trotzdem gibt es viele Pflanzen, Sträucher und Bäume. Besonders wenn es, wie in unserem Fall, nachts etwas geregnet hat.

Eine ganze Reihe von Pflanzen treiben nach den doch oft stattfindenden Bränden nach kurzer Zeit wieder aus. Verkohlte Äste ragen in die Luft und am Boden sieht man neue Triebe.

Kings Canyon ist Australiens Grand Canyon, ist aber bei Weitem nicht so groß und nicht so spektakulär wie der Grand Canyon in den USA.

Uluru (Ayers Rock)

Von Kings Canyon sind es 330 km bis zum Höhepunkt jeder Australien-Reise, des Ayers Rock. Die Eingeborenen nennen den Ayers Rock Uluru.

Für den Nationalpark, der den Ayers Rock und die Olgas (siehe unten) umfasst, kann man nur 3-Tageskarten kaufen. Übernachten (Hotel oder Camping) kann man auch nur an einem Ort mit dem Namen Yulara. Trotz des Monopols sind die Preise moderat.

Spektakulär ist der Sonnenuntergang am Ayers Rock. Es finden sich viele Leute ein und es herrscht richtige Party-Atmosphäre. Zum Sonnenaufgang kommen weniger Touristen, weil man da so früh aufstehen muss (gewöhnlich vor 6 Uhr).

Kata Tjuta (Olgas)

Die zerklüfteten Inselberge der Olgas oder Kata Tjuta, wie sie die Eingeborenen nennen (viele Köpfe), liegen ungefähr 30 km westlich des Ayers Rock.

Eine ganze Reihe von Besuchern finden die Olgas interessanter als den Ayers Rock - vielleicht auch, weil sie nicht so überlaufen sind. Die Kata Tjuta wurden von ihrem europäischem Entdecker Ernest Giles nach der Königin Olga von Württemberg die Olgas genannt.

Würde man von den Olgas in südliche Richtung fahren, würde man nach Aussage dieses Verkehrschildes auf 815 km kein Benzin bekommen.

Deshalb gehört es zum Überleben, auf solchen Strecken genug Benzin und besonders viel Trinkwasser dabei zu haben. Unser Bushcamper hatte, wie weiter oben bereits erwähnt, 2 Diesel-Tanks zu je 75 Liter.

Ayers Rock – Alice Springs (470 km)

Auf der Rückfahrt von Ayers Rock nach Alice Springs begegneten wir wilden Kamelen [Bild 23]. Früher wurden die Kamele zur Lastenbeförderung verwendet (meistens durch eingewanderte Afghanen). Als man die Kamele nicht mehr benötigte, ließ man sie frei. Heute haben sie sich bereits so vermehrt, dass sie schon als Plage gesehen werden.

Der Zug, der zweimal die Woche zwischen Adelaide im Süden und Darwin im Norden verkehrt, hat man als Erinnerung an die Afghanen mit ihrem Kamelen Ghan genannt.

Auch begegneten wir auf unserer Fahrt nach Alice Springs einigen den legendären Road Trains. Es sind Lastzüge mit bis zu 3 Anhängern und einer Gesamtlänge von bis zu 53 Metern. Wenn sich ein solcher Zug nähert, sollte man ausreichend Platz lassen. Am besten man drückt sich an den Fahrbandrand. Die Lastzüge haben einen langen Bremsweg und sie erzeugen gefährlich werdende Luftwirbel. Die Road Trains dürfen nur außerhalb von Städten fahren, meistens auch nur im Outback.

Alice Springs

Alice Springs ist, wie oben bereits erwähnt Start- und Versorgungszentrum für Touren ins Outback.

Außer einigen wenigen Sehenswürdigkeiten (zum Beispiel Telegraph Station und RoyalFlying Doctor Service Station) gibt es keine nennenswerte Höhepunkte. [

Man kann Autos, Wohnmobile und Buscamper mieten, Proviant für unterwegs einkaufen, original australische Hüte und Stiefel sowie Schmuck erstehen (siehe Wegweiser Idar-Oberstein), sein Auto betanken oder reparieren lassen, Ballonfahrten unternehmen, mit dem Bus oder Kleinflugzeug zum Ayers Rock reisen, auf Campingplätzen oder in Hotels übernachten, mit dem Flugzeug an- und abreisen oder mit dem Zug (The Ghan).

Die Preise in Alice Springs sind in Alice Springs angenehm niedrig, obwohl es weit und breit sonst keine Versorgungs- und Unterkunftsmöglichkeiten gibt.

Die beiden wichtigsten Sehenswürdigkeiten (Telegraph Station und Royal Flying Doctor Service haben wir besucht.

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Telegraph Station

Die Telegraph Station war die erste europäische Siedlung in Zentralaustralien. Die Originalgebäude wurden liebevoll restauriert und durch viele Bilder und Einrichtungsgegenstände ist es leicht, sich in die Zeit der ersten Siedler zurückzuversetzen.

Royal Flying Doctor Service

Eröffnung im Jahre 1939 ist der Royal Flying Doctor Service als lebende Legende für das Outback bekannt. Die fliegenden Doktoren haben auch heute noch ihre zentrale Funkstation in Alice Springs.

Hier kann man vieles über die einzigartige Einrichtung der Fliegenden Ärzte erfahren.

Mit dem Zug nach Südaustralien

Wir wollten die 1.500 km von Alices Springs nach Adelaide, unserer nächsten Station, nicht mit Bushcamper oder Wohnmobil fahren und wählten daher den Ghan, den die Australier legendär nennen. Der Zug fuhr in Alice Springs mittags um 14:00 Uhr los und kam in Adelaide am nächsten Morgen um 9:00 Uhr an. Die Fahrt war angenehm und das Essen (Abendessen, Frühstück; im Preis enthalten) und der Service sehr gut.

Zusammenfassung

Die Reise durch das rote Zentrum Australiens war sehr beeindruckend. Besonders die rote Erde und die Vegetation in der Wüste. Der Bushcamper war angenehm zu fahren und der mangelnde Komfort gegenüber einem Wohnmobil erträglich.

Man hatte uns geraten, genug Proviant (Dosenfutter) und Getränke mitzunehmen. Dies wäre aber für die von uns befahrene Strecke nicht notwendig gewesen, da es öfters als erwartet Gelegenheiten gab, (einfaches) Essen und Getränke zu kaufen. Die in Alice Springs gekauften Lebensmitteldosen haben wir später verschenkt.

Das einzig Lästige waren die vielen Fliegen. Sie stechen zwar nicht, krabbeln aber in alle Körperöffnungen (Ohren, Nase, Mund). Hier half ein Mückennetz, das man an jeder Ecke kaufen konnte.

Weitere Informationen

Einen noch detaillierten Bericht über die Reise ist zu finden im Internet unter http://www.hbemmert.de/reisen

 

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