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Die Souks von Fes

3. Tag - 28. Februar 2005

Die Altstadt (Fes el-Bali) versetzt seine Besucher ins islamische Mittelalter. Durch ein altes Tor betraten wir das Labyrinth der Gassen, die sich seit Jahrhunderten nicht verändert haben, wenn man davon absieht, dass Elektrizität zwischenzeitlich vorhanden ist. Die leichten Regenschauer haben wir an den zum Teil nicht überdachten Gassen fast gar nicht wahrgenommen, so abwechslungsreich war der Rundgang.

Das Gedränge in den engen Gassen gemeinsam mit Eseln, die Gerüche von den Garküchen, der Gewürze verzaubert, der kräftige Geruch bei den Gerbern beleidigte eher die Sinne.

In den einzelnen Gassen der Souks werden seit Jahrhunderten (!) die gleichen Leistungen angeboten, vom Handwerk bis zu Lebensmitteln.

Schleifereien, Schuhe, Kleidung, Fleisch, Fisch und Gemüse und vieles mehr.

In den vielen, zu den Gassen hin offenen Lädchen und Werkstätten wurde gehämmert und geschraubt.

Bepackte Esel bahnen sich mit Treibern einen Weg durchs Gewühl. 

Ob Fisch oder Oliven,  Muscheln, Lederwaren, Kleidung, Keramik und natürlich Teppiche, alles nur Erdenkliche wurde angeboten.

Hinzu kommt zahlreiche Kleinkunst, wie die ziselierten Messinggefäße oder Schmuck und natürlich Souvenirs aller Art.

Eindrucksvolle maurische Bauwerke, die von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurden, sind prächtig anzusehen.

Geprägt wird darüber hinaus die Altstadt von den Minaretten der Moscheen. Der Gang durch die Gassen, die sich seit dem Mittelalter nicht verändert haben, hat tief beeindruckt.

Worte und Bilder spiegeln die wundersame Atmosphäre dieses Viertels allerdings nur dürftig wieder. Man muss das einfach selbst gesehen haben!

Bettelnde Menschen und Kinder traf man nicht nur hier. Der verständnisvolle Tourist in Marokko sollte allerdings immer den einen oder anderen Dirham bereithalten, insbesondere wenn ältere Menschen und Behinderte betteln. Kindern sollte kein Geld gegeben werden.

Betteln gehört zu den „5 Säulen des Islams“, den gläubigen Moslems auch eine Pflicht. Denn Marokko ist ein Land ohne ausreichende soziale Absicherung, daher sind viele Menschen auf die Gebebereitschaft angewiesen.

Der Besuch des Viertel der Gerber begann mit der Aushändigung eines Büschels Pfefferminze, damit konnte man den doch herben Geruch überdecken, einfach ein Blättchen reiben und vor die Nase halten. Seit Jahrhunderten wird in diesem Viertel unverändert bis heute nach arabischen Methoden gearbeitet. Ob heutzutage tatsächlich keine Chemikalien verwendet werden, ist umstritten.

Der Blick über die vielen gemauerten Behälter, in denen die Felle in den unterschiedlichen Farben behandelt wurden, war faszinierend. Ob das so gesund war, mit den nackten Beinen in den Behältern zu arbeiten? Diese Frage hat hier offensichtlich noch niemand gestellt.

Natürlich wurden uns hier die vielen Lederartikel von Jacken bis Taschen auch angeboten. Wobei das Angebot an einigen Stellen uns leicht „abgehangen“ vorkam.

Der Besuch eines Teppichladens war unvermeidlich. Freundlich wurden wir mit einem Glas Tee begrüßt. Dann wurden die Teppiche angepriesen, natürlich die besten und günstigsten Teppiche von ganz Marokko! Auch hier alle Zahlungsmittel und der Versand nach Hause natürlich auch hier kein Problem.

Ein Plakat mit einem fliegenden Teppich in Kooperation mit DHL (!) war der Beweis für diese Leistung. Wie sagte Herr Prössel, da muss man durch, einen Führer in Fes zu bekommen, der nicht in einen Teppichladen, führt ist unmöglich. Ob da der eine oder andere Dirham für den Führer abfällt?

Der Besuch in einer der über 200 Webereinen war ebenfalls sehenswert. Dieser Familienbetrieb stellte Stoffe aller Art in traditionsreicher Handwerkskunst her. Klar, auch hier war der Kauf eines Schals oder Stoffen selbstverständlich kein Problem. Auch hier haben uns beeindruckt, Arbeitsplätze und Technik wie im Mittelalter.

Die vielen Eindrücke noch nicht verarbeitet, jetzt meldete sich der Magen. Mutig suchten wir mit einigen Tourteilnehmern eins der vielen Straßenrestaurants auf. Der Blick in die Küche hat aber nicht beunruhigt. Doch warum nur trug der Koch einen grauen Kittel?

Etwas misstrauisch sitzen wir erwartungsvoll vor den leeren Tellern.

Glück gehabt, es schmeckte!

Verlassen haben wir die Altstadt nach dem durchaus schmackhaften Mittagessen (Tajine mit Rindfleisch, Gemüse und Oliven für 40 Dirhams, also knapp 4 Euro) durch das Bab Boujeloud, das stattliche Dreibogentor wurde erst 1913 nach traditioneller maurischer Bauweise erstellt.

Im Ausschnitt des Torbogens erheben sich zwei Minarette.

Die Rückfahrt zum Campingplatz am Nachmittag wurde mit einem der unzähligen Minitaxis, einem betagten Fiat Uno, für nur 19 Dirhams (knapp 1,90 Euro) günstig durchgeführt. Das Wetter war bis auf wenige leichte Schauer akzeptabel, der Regen setze erst wieder gegen Abend immer wieder ein. Ein Tag voller interessanter orientalischer Eindrücke verbunden mit der Einsicht, wie hervorragend gut es unsereins in Deutschland geht.

Erwähnenswert an diesem Tag ist das Pech eines Reisemobilisten, der an der Grenze beim Rangieren und Einweisen durch marokkanische „Helfer“ seine Aufbautür so stark beschädigte, das die Stufe und die Tür samt Scharniere völlig deformiert war. Ein Schließen der Tür war nicht mehr möglich, gut 20 Zentimeter stand die Tür ab. In Fes wurde eine Reparatur durch den Campingplatz organisiert. Nach stundenlanger Arbeit ist es der Werkstatt gelungen, die Stufe wieder zu richten und die Tür wieder funktionstüchtig zu machen. Frau Prössel sprach von einem „Wunder“. Allerdings wurden 900 Euro (!) verlangt, nach dem landesüblichen Handeln mussten immerhin noch 450 Euro bezahlt werden. Bei den ortsüblichen Stundenlöhnen wäre weniger als die Hälfte dieses Betrages angemessen gewesen. Hier kam doch der Eindruck auf, dass der Tourist ordentlich abgezockt wurde.

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