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Meski - Oasencampingplatz Blaue Quelle (Source Blue de Meski)

6. Tag - 3. März 2005

Wir gewöhnen uns so langsam daran, pünktlich um 8 Uhr fand auch heute die Besprechung über den Ablauf des Tages statt. Wir verlassen Midelt, die Stadt der Mineralien und fahren über bestens ausgebaute neue Straßen durch den Hohen Atlas.

Tee und rechts Tajine

Im Örtchen Hamat Moulay Ali Cherif mit Thermalbad und einer Moschee legen wir eine Rast ein. Der „Fast Food“ Besitzer kochte Tee und Kaffee, das halbe Gläschen Kaffee immerhin 10 Dirhams (1 Euro). So klein der Ort war, eine Moschee durfte nicht fehlen.

Weiter ging es durch einen kurzen Tunnel, der in mühevoller Handarbeit von den Legionären durch den Felsen getrieben wurde.

Entlang des Fluss Uued Ziz durchquerten wir die wunderschöne Ziz-Schlucht, wieder erschloss sich uns eine abwechslungsreiche Landschaft mit vielen interessanten Ausblicken und bizarren Felsformationen.

Die immer noch gute Straße führte uns nach Er-Rachidia, am Ortsanfang liegt ein Gaswerk. Hier war man auf durchreisende Reisemobilisten eingerichtet und füllte nach kurzer Wartezeit 11 Kilo Butangas für 40 Dirhams (knapp 4 Euro) ab.

Kurze Zeit später, nach insgesamt 158 Kilometern erreichten wir den Campingplatz „Blaue Quelle“ am Lehmdorf Meski. Der Campingplatz liegt inmitten einer Oase umrahmt von Palmen.

Campingplatz und Oase

Auch hier waren Fremdenlegionäre tätig, sie legten das Schwimmbecken an. Das Wasser hatte 21 Grad, einigte Mutige tauchten in das Becken, in denen heilige Fische schwammen. Die Sanitäranlagen entsprachen dem bereits bekannten marokkanischen Standard. Am Morgen war es noch bewölkt, unterwegs schien die Sonne, am Nachmittag fing es leider wieder an zu regnen. Das hat die Reiseleitung an dieser Stelle in 12 Jahren nur zweimal erlebt.

Um 16 Uhr besichtigten wir gemeinsam das typische marokkanische Lehmdorf Meski mit ca. 3.000 Einwohnern. Unsere Reiseführer, das Ehepaar Prössel, kennt seit über 10 Jahren Hassan, der am Campingplatz auch ein Geschäft mit Souvenirs betreibt.

Hassan führte uns durch sein Dorf und konnte uns im durchaus verständlichen Deutsch viel über das Dorf erzählen.

Der städtische Dorfbrunnen ist rund 20 Meter tief. Darüber hinaus hat fast jedes Haus einen eigenen Brunnen. Der vor 10 Jahren erbaute städtische Wasserturm wurde von den Dorfbewohnern nicht angenommen, denn diese Art von Wasserversorgung kostet Geld.

Der Muezzin des Dorfes ruft das erste Mal morgens um 4 Uhr zum Gebet, insgesamt wird 5-mal täglich gebetet. Die Frauen dürfen nur in einem Nebenraum den Gebeten zuhören, Hassan verwies aber fast entschuldigend ausdrücklich auf den mit Teppichen ausgelegten schönen Raum für die Frauen. Die Teilnahme an den Gebeten ist Pflicht, nur eine Krankheit entschuldigt ein fernbleiben.

Hassan hat aufgrund seiner Heirat ein kostenloses Grundstück im Dorf erhalten und lässt seit Jahren dort ein Haus mit Steinen und Zement bauen – hält länger als ein Lehmhaus, erzählte Hassan.

Einige Kinder begleiteten uns, entweder bettelten sie um Bonbons, manchmal fiel auch das Wort Dirham, oder sie wollten zum Teil durchaus kunstvoll aus Palmenblättern gebastelte Kamele, Esel oder gar ein Reisemobil verkaufen.

Die Lehmhäuser werden mit feuchtem Lehm, gemischt mit Kieselsteinen und Strohhäcksel gebaut. Der Baustoff ist nicht sehr haltbar, Regengüsse machen aufwändige Ausbesserungsarbeiten erforderlich.

Hassan lebt der Tradition folgend noch im großen Haus seiner Eltern, bis sein Bruder heiratet. Sein eigenes Haus steht leer. Fröhlich erzählte er, dass er seine Frau „wie Katze im Sack“ bekommen hat. Seine Eltern haben die Braut für ihn ausgesucht. Augenzwinkernd erzählte Hassan, eigentlich wollte er eine dicke Frau haben, die werfen im Sommer Schatten und im Winter wären sie schön warm. Die Hochzeit dauerte eine Woche, 5 Kühe wurden geschlachtet und über 100 Hühner, denn das ganze Dorf musste verpflegt werden. Inzwischen hat er 3 Kinder und ist mit seiner hübschen Frau sehr zufrieden. Gute Frauen, die Teppiche knüpfen können, „kosten“ 5 Kamele, ein Kamel kostet ca. 1.200 Euro. Seine Frau darf ihm eine zweite Frau aussuchen, dann erhält er noch ein Grundstück. Hassan war sich aber noch nicht im Klaren, ob der das „Wagnis“ eingeht. Aber immerhin erlaubt der Islam ihm 4 Frauen. Aber für seine Altersversorgung wären 8 Kinder die beste Grundlage. Da hat Hassan noch einiges zu überlegen.

Tja, ihr mitteleuropäischen Frauen, das sind Küchen! Das Fladenbrot wird natürlich selber gebacken.

Der Vorratsraum

Die nette Katze im Sack

Gardinen im Gästezimmer

Eindruckvoll war das riesengroße Haus der Familie Hassans einschließlich der Stallungen, das Gästezimmer, das Schlafzimmer von Hassan, die Küche, Nebenräume und der Vorratsraum konnte besichtigt werden.

Der Verbindungsgang zum Nebengebäude, zum Brunnen und den Stallungen.

2 von den 4 Gästebetten, natürlich kamen noch Matratzen auf die Bettgestelle.

Das Schlafzimmer hat beeindruckt, die Kinder schliefen allerdings auf dem Boden ... und manchmal wurden sie hinaus geschickt.

Mindestens 60 qm war das „Wohnzimmer“ groß. Hier wurden wir zum Tee einladen und es wurden Nüsse gereicht. Gerne haben wir den Tipp der Reiseleitung befolgt und zum Dank ein Gastgeschenk überreicht. Einige neue Handtücher und etwas Kleinspielzeug für die Kinder fand Anklang, welches sofort ausprobiert wurde

Die Decke des Wohnzimmers

Noch sein Vater hat nach den Erzählungen von Hassan seine Frau einmal wöchentlich geschlagen. Hassan hat einmal nachgefragt, warum er das macht. Das konnte der Vater auch nicht so recht beantworten, wenn er keinen Grund hat, die Frau wüsste schon warum. Erst seit rund 12 Jahren ist dieser merkwürdige Brauch nicht mehr praktiziert.

Ein hoch interessanter Nachmittag, der auf Grund der langjährigen Beziehung unserer Reiseleitung zu Hassan zustande kam. In dieser Art wäre wahrscheinlich der Einblick in die doch so andere Kultur und in den Alltag der Dorfbewohner nicht möglich gewesen. Heute wurde uns der Vorteil dieser geführten Tour besonders bewusst. 

Auf dem Rückweg schaute uns ein Dorfbewohner etwas misstrauisch (?) hinter her.

Nächster Tag

 

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