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Meski - Oasencampingplatz Blaue Quelle, Besichtigung Kasbahruine

7. Tag - 4. März 2005

Blick über die Weizenfelder der Oase zur Kasbahruine

Die obligatorische Morgenbesprechung

Nach einer ruhigen Nacht führte uns Hassan in ein vor 29 Jahren von den Bewohnern aufgegeben Kasbah-Dorf,  das ursprünglich für 1.200 Einwohner Heimat war.

Die Bauart mit Felssteinen und Lehm gehört zu den faszinierenden Siedlungsformen Marokkos. Die befestigten Dörfer waren mit zwei- bis dreigeschossigen, dicht aneinander gereihten Häusern erbaut. Dazu gehörten ein Laden, eine Moschee und Lagerräume.

Hassan strahlte fast immer

Wohnhaus und Ruhestätte des Dorfheiligen

Der gesamte Komplex wurde von einer Mauer geschützt, dessen Tor nachts geschlossen wurde. Das heutige Dorf Meski hatte im Gegensatz dazu die offene Bauart (Ksour) mit Straßen zu allen Seiten.

Ob der Mühlstein in ein Reisemobil passt?

Eingang zur Moschee

Der Dorfbrunnen gehörte zur Moschee und wurde in Handarbeit 65 Meter tief in den Felsboden geschlagen. Hier fanden die ritualen Waschungen vor dem Gebet statt.

Der „Ort der Wünsche“ war gegen Mekka ausgerichtet.

Die schwarzen im “ort der Wünsche” Flecken stammen von über 25-jährigen Frauen, die noch auf einen Ehemann hofften. Oft hat das das auch geklappt, zu 70%, wie Hassan schmunzelt erläuterte.

Die Gruppe hörte interessiert den Ausführungen von Hassan zu. Der Bursche hatte auch den Schalk in den Augen!

Ein fast schon junger Mann „entführte“ mich von der Gruppe und zeigte stolz die Sahara und die im Tal liegende Oase. Hier hatte hat jeder Dorfbewohner je nach Geldbeutel ein kleines oder größeres Grundstück zum Weizenanbau. Auch hier eine wunderschöne Ansicht.

Mein junger Führer produzierte zusammen mit seinem Freund Kamele aus Palmenblättern. Gegen einen Kugelschreiber tauschte ich ein Kamel ein.

Gut zu sehen, die Festungsmauern.

Vor dem Komplex waren Friedhöfe zu sehen, mit vielen hundert Gräbern mit Steinen, die Frauen, auch kleine Mädchen und die Männer kennzeichneten. Ein Stein am Kopf war ein männlicher Toter, zwei Steine die Frauen. Hassan hatte hierzu die Erklärung, ein Stein für den Mann, weil er immer gradlinig ist, zwei Steine für die Frauen, die das ja nicht immer wären.

Also auch die Marokkaner haben ihre gesegneten Vorurteile, wenn auch augenzwinkernd vorgetragen.

Die Verstorbenen wurden im Beisein des „heiligen Mann“ gewaschen und in weiße Tücher gewickelt. Dann erfolgte die Beisetzung, nur etwa 1,20 Meter tief. Der heilige Mann wurde in seinem Haus bestattet.

Das Kinderschühchen lag auf dem Friedhof.

Auf dem Rückweg sahen wir zwei Frauen am Fluß, die dort ihre Wäsche wuschen.

Wir schlenderten am Mittag über den Campingplatz und schauten uns die vielen kleinen Lädchen an. In Hassans Laden haben wir uns zu einem Teppichkauf für unser Reisemobil hinreißen lassen, zwei handgewebte Teppiche für 500 Dirhams, für die er zuerst 1.500 Dirhams haben wollte. Das handeln war ein interessanter „Kampf“ zwischen Verkäufer und Käufer. Hassan meinte, er würde damit nur Geld gegen Zeit tauschen. Na ja, wir glauben damit haben wir noch nicht seine Schmerzgrenze erreicht. Den zweiten Teppich haben später Marianne und Paul für ihr Mobil erworben, nachdem wir feststellten, das doch nicht beide Teppiche in unser Mobil passten.

Ein Problem war, ein zweiter deutsch sprechender Ladenbesitzer hatte uns schon in der Mangel, wir hatten ihm noch einen Besuch versprochen. Anstandshalber ließen wir uns sehen, natürlich gefiel uns kein Teppich.

Der Laden von Hassan war eine Fundgrube auch von Antiquitäten, von Truhen bis zum Krummdolch. Wir fragten unseren Namen entsprechend nach einem Löwen, das verstand Hassan nicht. Plötzlich entdeckte das weibliche „Loewenauge“ einen verstaubten Keramiklöwen, der nach der Staubschicht zu urteilen bereits gut 10 Jahre dort verweilte. Dann entdeckte die bessere Hälfte dazu noch eine alte verzierte Kaffeemühle, die aus Frankreich stammte und von Berbern verziert und genutzt wurde. Und wieder fing das Feilschen für beide Teile an. 1.300 Dirhams war das erste Angebot. Entsetzt wandten wir uns ab. „Hast Du was zum Tauschen?“ Schuhe, Kleidung, Handy, Radio, Stuhl, Fahrrad? Wir hatten 3 Paar neuwertige Schuhe zum verschenken mitgenommen und ein Paar Schlappen. Hassan bemerkte doch tatsächlich, das wären aber keine Original Birkenstock! Wir waren plötzlich bei 700 Dirhams.

Das war uns noch zu teuer, wir nehmen den Löwen für die Schuhe und überlegen noch einmal. Das gefiel Hassan überhaupt nicht: “Sage mir, was willst Du bezahlen? Hast Du Wein? Apfelsaft für die Kinder?”  Nun, 4 Liter Apfelsaft konnten wir entbehren, wir hatten reichlich mit. Der Wein tat schon mehr weh, aber eine Flasche spanischen Rotwein boten wir auch an. Jetzt hatten wir ein neues Tauschpaket, und bei 300 Dirhams (knapp 30 Euro) Euro haben wir für die beiden Souvenirs eingewilligt. Vielleicht hätten wir noch 200 Dirhams geschafft? Auch dieses Geschäft hat uns Spaß gemacht und wenn beide Seiten zufrieden sind, was will man mehr. Andere Reiseteilnehmer fühlten sich auch verpflichtet bei Hassan einzukaufen, haben aber später festgestellt, zu viel bezahlt zu haben. Erfahrende Marokkotouristen berichteten, 1/3 des ersten Preis ist meist in Ordnung.

Am Abend um 19 Uhr führte eine Gruppe von Musikern aus dem Dorf Meski Musik und Tänze aus dieser Gegend vor. Die Band „Mouloud el Meskaoui“ heizte uns spärlichen Lagerfeuer kräftig ein. Das schönste Lied „Mama Africa“ wurde am Schluss als Zugabe noch mal temperamentvoll gespielt. Kräftiger Beifall beschloss diese Vorführung. Die Zuschauer staunten nicht schlecht, selbst eine CD konnte für 100 Dirhams (immerhin knapp 10 Euro) erworben werden.

Wir wollten unseren Beitrag leisten und haben die CD erworben und über die selbst gebrannte CD ohne Titelbeschriftung und über das schlichte amateurhaft hergestellte Cover haben wir gestaunt. Eine für unsere Ohren fremde Musik, aber durchaus faszinierend und gut aufgenommen. Noch am gleichen Abend verschwand die CD im CD-Wechsler des Reisemobil und die Musik begleitete uns in den nächsten Tagen während der Fahrt immer wieder. Wir kommen so langsam auch innerlich in Marokko an. Das die Musik mir aber zum Verhängnis wurde ... doch davon später.

Nächster Tag

 

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