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Fes, die Königsstadt

3. Tag - 28. Februar 2005

Um kurz vor 9 Uhr ertönte die Trillerpfeife unseres Reiseführers, Herr Prössel besprach kurz den Ablauf des Tages mit der Reisegruppe. Unser junger deutschsprachiger studierter Führer Mustafa hat uns anschließend am Eingang des Campingplatzes herzlich Willkommen geheißen.

Ein gestenreicher Vortrag stimmte uns auf den Tag ein. Seine eindringliche Warnung vor Taschendieben: Im Gewühl der Souks (Markt) unbedingt auf Wertsachen achten! Aber auf der gesamten Reise ist kein Diebstahl passiert. Im Gegenteil, der Autor selbst wurde von einem freundlichen jungen Marokkaner beim Fischkauf auf das kurzzeitig sichtbare Portmonee hingewiesen.

Wir starteten mit einem alten Volvo-Bus zu einer Stadtrundfahrt. Der von Herrn Prössel gecharterte Bus hatte seine besten Tage lange hinter sich und befand sich zumindest innen in einem schrottreifen Zustand. Die vordere Tür wurde mit einem “Stallriegel” von innen verschlossen. Leider besaß der Oldtimer keine Mikrofonanlage, die sonst durchaus üblich wäre, so ließ Mustafa vorsichtig durchblicken.

Nun, der Bus hat uns zuverlässig zu den Besichtigungspunkten gebracht. Aber so ganz wohl haben sich einige Teilnehmer dabei nicht gefühlt. Pro Person kostete die interessante mehrstündige Stadtrundfahrt nur 30 Dirhams (knapp 3 Euro), die ursprünglich angekündigte Fahrt mit Taxis sollte den gleichen Betrag kosten.

Die Fahrt zeigte auch das moderne Fes. Die erste Stippvisite war ein Besuch des Vorplatzes am Königspalast. Hinter den vergoldenden Bronzeportalen verbergen sich Paläste, Gärten, Paradeplätze und eine Moschee, ein Besuch der Anlagen war nicht möglich. Erst 1971 hat König Hassan II die besten Handwerker des Landes für den Bau der Portale verpflichtet. Eine unglaubliche Geldverschwendung, wenn man den Gegensatz zu der weitgehend sehr armen Bevölkerung betrachtet. Kritik hieran ist in Marokko allerdings tabu. Nach der Stippvisite am Königspalast  wurde ein Gruppenfoto unter einem Stadttor von einem „fliegenden“ Fotografen organisiert, der am Abend auf dem Campingplatz die Bilder für gutes Geld verkaufen wollte. Wir machten das Foto lieber selbst.

Fes ist mit ca. 1 Million Einwohnern drittgrößte Stadt Marokkos und als älteste Königsstadt mit unzähligen Sehenswürdigkeiten eine interessante touristische Attraktion. Von einer alten Festungsanlage aus dem 16. Jahrhundert konnten wir uns einen Überblick über die Stadt mit seinen drei Stadtteilen verschaffen. Über einer Flusssenke erstreckt sich das Häusergewirr der Altstadt (Fes el-Bali) und als Attribut an die Neuzeit mit unzähligen Satellitenschüsseln versehen.

Kenntnisreich brachte uns Mustafa “seine”  Stadt näher.

Anschließend haben wir eine Töpferei besucht. Hier wurde von Vasen über Geschirr, Schalen usw. und Mosaikflächen (z.B. für Tische) alles in mühsamer Handarbeit gefertigt. Gebrannt werden die Rohlinge in einem Brennofen, der mit Olivenresten befeuert wird, die als Rückstände bei der Ölgewinnung übrig bleiben. Jedes mal wenn der Ofen befeuert wurde, stieß der Kamin bedrohliche pechschwarze Wolken aus. Die Arbeitsbedingungen haben sich seit dem Mittelalter kaum geändert.

Die Entlohnung der Beschäftigten wird nach Leistung berechnet. Daher ließen sie sich bei ihrer Arbeit, die viel Konzentration erfordert, bei unserm Rundgang von uns neugierigen Touristen nicht stören.

Die jüngeren Mosaikhersteller freuten sich sehr, wenn ein Mosaikherzchen gegen einige Dirhams getauscht wurde.

Natürlich wurden wir nach dem Rundgang in den großen Verkaufsraum geführt, Kreditkarten und Versand in die Heimat, alles kein Problem. Dieses kunstvolle ausgeführte Handwerk hatte allerdings auch seinen Preis.

Weiter zum Rundgang durch die Altstadt von Fes

 

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